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Garnaat · Schlei Digital

Seegras am Ostseestrand

Was da liegt, ob du baden kannst und wie es an deinem Strand gerade aussieht

Nach windigen Tagen liegt an vielen Ostseestränden ein dunkler Streifen aus Seegras, Tang und kleinen Holzstücken. Das sieht manchmal unordentlich aus, gehört aber zum Strand. Kleine Tiere finden darin Futter und Unterschlupf.

Kann ich trotz Seegras baden?

Ja, das Seegras spricht nicht dagegen. Seegras und Tang am Strand sind kein Zeichen für schmutziges Wasser. Warnungen vor Ort und amtliche Hinweise zur Wasserqualität gelten aber trotzdem.

Anders ist es, wenn Schlieren, Flocken oder dichte grüne Ansammlungen im Wasser treiben. Das können Blaualgen sein (Fachleute sagen Cyanobakterien). Sie wachsen vor allem, wenn es warm und sonnig ist. Geh dann lieber nicht rein und frag die Strandaufsicht. Eine einfache Probe: Stell dich knietief ins Wasser. Siehst du deine Füße nicht mehr, bleib draußen. Ein Warnschild am Strand geht aber immer vor.

Wie es an deinem Strand gerade aussieht

Die Garnaat-Karte zeigt mit dem Anspüldruck, wo in den letzten Tagen viel angespült worden sein dürfte. Wie viel Seegras wirklich am Strand liegt, sieht man daran nicht.

Genauer sind die Meldungen von Leuten, die dort waren. Auf der Lage-Seite deines Strandes steht, ob jemand viel, etwas oder keinen Tang gemeldet hat und ob das Wasser klar war oder grüne Schlieren hatte. Schau auf das Alter der Meldung, nach einem Wetterwechsel oder einer Strandreinigung kann es schon anders aussehen. Und steht dort keine Meldung, heißt das nicht, dass nichts da ist.

Bist du selbst am Strand, kannst du melden, was du siehst: Wähl auf der Startseite deinen Strand und öffne „Lage melden“. Das geht nur vor Ort.

Liegt an deinem Strand gerade Tang?

Wähl deinen Strand. Auf seiner Lage-Seite steht, was andere dort zuletzt gemeldet haben.

Strand auf der Startseite wählen

Was da liegt

Was die Wellen anspülen, heißt Treibsel, der Streifen, in dem es liegt, Spülsaum. An der Ostsee besteht Treibsel vor allem aus Seegras, Blasentang und anderen Grün- und Braunalgen. Dazwischen liegen Muscheln, Holz und leider auch Müll.

Ein breiter rotbrauner Streifen aus Seegras und Tang liegt zwischen blauem Wasser und hellem Sand. Auf dem Streifen sitzen Möwen.
Treibsel an der Eckernförder Bucht, abgelegt von den letzten hohen Wellen. Foto: Garnaat.

Seegras ist keine Alge, sondern eine Blütenpflanze mit Wurzeln. Seine Blätter sind lang, schmal und bandförmig. Frisch sind sie grün, am Strand werden sie braun und schwarz.

Blasentang ist eine Braunalge. Du erkennst ihn an den kleinen Luftblasen in den Blättern.

Ein gelbgrünes Stück Blasentang liegt auf nassem Sand. In den flachen Blättern sitzen runde Luftblasen.
Blasentang am Ostseestrand. Die runden Luftblasen verraten ihn. Foto: Agnieszka Kwiecień, Nova, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons, verkleinert.

Wind vom Wasser (auflandig) drückt das Treibsel an den Strand, nach Stürmen liegt besonders viel. Bei welchem Wind das an deinem Strand so ist, steht im Ratgeber Welcher Ostseestrand bei welcher Windrichtung?

Warum es manchmal riecht

Das Seegras selbst riecht kaum. Den Geruch machen vor allem die Algen, wenn sie an Land in Sonne und Luft verrotten. Wie lange er bleibt, hängt davon ab, wie viel dort liegt und wie das Wetter wird.

Warum manche Strände räumen und andere nicht

Badeorte räumen ihre Badestrände, vor allem in der Saison. In der Lübecker Bucht fahren die Räumgeräte in den Sommerferien bei Bedarf schon ab 2 oder 3 Uhr morgens, damit sie tagsüber niemanden gefährden. Im Winter wird dort bis zur nächsten Badesaison gar nicht geräumt, und Naturstrände werden nie geräumt.

Das Räumen ist aufwendig. In Boltenhagen spült das Meer nach Angaben der Kurverwaltung rund 5.000 Tonnen im Jahr an. Das Gemisch aus Seegras, Algen, Sand und Wasser wird gelagert, getrocknet und gesiebt, danach kommt der Sand zurück an den Strand.

An Naturstränden und in Schutzgebieten bleibt der Spülsaum liegen, weil er ein Lebensraum ist. Das Nationalparkamt Vorpommern beschreibt es so: Im Spülsaum leben Strandflohkrebse und viele kleine Insekten, und von ihnen ernähren sich rastende und brütende Watvögel. Das Seegras wird oft vom Sand überweht und liefert später die ersten Nährstoffe für die Dünenpflanzen.

Ein Wall aus Seegras und Tang liegt auf einem Geröllstrand, dahinter Wasser und ein kleines Wachhäuschen.
An diesem Strand an der Eckernförder Bucht bleibt das Treibsel liegen. Foto: Garnaat.

Wenn du am Strand Müll sammelst: Seegras, Tang und Treibholz bleiben liegen. Mitnehmen kannst du, was dazwischen hängt: Plastik, Schnüre, Verpackungen. Verdächtige Funde lässt du liegen. Was verdächtig ist, erklärt der Ratgeber Bernstein finden an der Ostsee.

Was vor der Küste wächst

Seegras wächst in Wiesen auf dem flachen Meeresgrund. Das GEOMAR in Kiel nennt es ein Multitalent: Es bietet Fischen und anderen Tieren Lebensraum, hält den Boden fest, beruhigt die Wellen und filtert Krankheitserreger aus dem Wasser. Außerdem speichert es Kohlenstoff, der dann über Jahrhunderte im Meeresboden bleibt.

Unter Wasser: eine dichte Wiese aus langen, schmalen, grünen Seegrasblättern, die sich in der Strömung neigen.
Seegraswiese in der Ostsee. Foto: Genet, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons, verkleinert.

Den Wiesen schaden zu viele Nährstoffe im Wasser, Anker von Booten und wärmeres Wasser. An einigen Küstenabschnitten sind die Bedingungen nach Daten des GEOMAR wieder besser geworden. Im Sommer 2025 haben Freiwillige von fünf Umweltverbänden zum ersten Mal in großem Stil Seegras gepflanzt. Die Flächen zwischen Holnis und Fehmarn hat das GEOMAR ausgesucht.

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Quellen

Stand: 21. September 2026. Strandreinigung und Seegraspflanzungen nachgelesen am 30. September 2026.