Alte Meldungen verblassen nach drei Wochen, denn Müll kommt nach. Ohne Netz bleibt die Landkarte leer, deine Punkte bleiben da.
Jeder Punkt zeigt die auffälligere von beiden Meldungen. Wer ihn antippt, sieht Strand und Wasser einzeln. Tang-Meldungen verblassen nach einer Woche, an Naturstränden erst nach zwei, Wasser- und Quallen-Meldungen nach zwei Tagen. Was im Wasser treibt, zieht mit dem Wind weiter. Steinfreie Einstiege blendest du mit dem Knopf „Steinfrei" ein. Gefüllt heißt gemeldet, offen heißt Sandstrand laut OpenStreetMap. Melden kannst du eine Stelle nur, wenn du am Wasser stehst. Ohne Netz bleibt die Landkarte leer, deine Punkte bleiben da.
Wie rechne ich das?
Der Wert im Popup zeigt den rechnerischen Anspüldruck. Er kombiniert Windrichtung, Windstärke und Wellen der vergangenen vier Tage mit der Richtung, in die ein Strand aufs Wasser schaut. So sagt er vorher, was das Meer wahrscheinlich angespült hat. Was die Rechnung jedoch nicht wissen kann, ist, ob die Gemeinde heute früh schon mit der Reinigungsmaschine da war.
Für jeden der vier Tage:
Tagwert = Gewicht × Auflandigkeit × Windstärke × (1 + Wellenhöhe) × Küstenform
bei Starkregen zusätzlich = Gewicht × Auflandigkeit × (Regen − 10 mm) × 0,8 × Mündungsnähe × Küstenform
Daraus der Anspüldruck:
Druck = Summe der vier Tagwerte ÷ 75 + gefallene Meter × 0,5
Die vier Tage
Die Berechnung nimmt dafür die letzten vier Tage, aber nicht zu gleichen Teilen. Der jüngste Tag zählt voll, der davor noch zu 60 Prozent, dann 30, dann 10. Was früh in der Woche anlandete, liegt heute nämlich oft schon nicht mehr da.
Wind, Wellen und Regen
Für jeden Tag wird zuerst geschaut, wie frontal der Wind auf den Strand trifft. Ablandiger Wind zählt dabei gar nicht mit, die Rechnung kappt ihn einfach auf null. Dieser Richtungsfaktor wird mit der Windstärke in km/h multipliziert, und die Wellenhöhe verstärkt das Ergebnis noch einmal. Fielen an dem Tag mehr als 10 Millimeter Regen, kommt der Teil darüber dazu, denn dann trägt auch das Binnenland etwas ein. Das Ganze wird anschließend durch 75 geteilt.
Wo der Regen zählt
Der Regen zählt aber nicht überall. Was über Flüsse und überlaufende Kanalisation hereinkommt, kommt an einer Mündung heraus und nicht gleichmäßig auf hundert Kilometern Küste. Ich rechne deshalb nur an Stränden damit, die nah genug an einer der neun Mündungen liegen: bis fünf Kilometer voll, danach immer weniger, ab fünfunddreißig Kilometern gar nicht mehr. 105 der 405 Strände bekommen so keinen Binneneintrag. Auf der Karte kannst du dir die Mündungen anzeigen lassen. Was dort wirklich herauskommt, messe ich nicht, dafür gibt es keine Daten.
Buchten und Landspitzen
Danach kommt die Form der Küste ins Spiel. Eine Bucht hält fest, was einmal hereingetrieben ist, und bekommt den Wert mal 1,3. Eine Landspitze bekommt mal 0,8, weil dort vieles seitlich vorbeizieht. In der Eckernförder Bucht probiere ich gerade etwas Genaueres aus: Dort hängt der Wert davon ab, wie genau der Wind in die Bucht hineinsteht, von mal 1,0 bei Seitenwind bis mal 1,5 bei Wind direkt hinein. Ein Ort dort kann also weniger bekommen als bisher, wenn der Wind quer steht.
Wenn das Wasser fällt
Zuletzt schaue ich, ob das Wasser gefallen ist. Angespült wird nämlich nicht beim höchsten Stand, sondern beim Ablaufen. Für jeden Meter, den der Pegel seit den letzten drei Tagen gefallen ist, kommen 0,5 Punkte dazu.
Die Schwellen
Das Ergebnis bestimmt, was du siehst: Ab einem Wert von 0,45 steht „wahrscheinlich angespült" im Popup, und der Ort bekommt beim Hineinzoomen einen gestrichelten Ring. Ab 0,22 steht dort „vielleicht angespült", und bei Werten darunter „eher nichts angespült". Im Popup steht außerdem, welcher Teil davon wie viel beigetragen hat.
Heute gerechnet
Wie gut ist das?
Amtliche Messungen helfen beim Prüfen dieser Formel leider nicht weiter. Die HELCOM-Erhebungen an der Ostsee zählen den Müll nur vierteljährlich und halten nicht fest, wann ein Strand gereinigt wurde. Ich habe die Rechnung im August 2026 trotzdem an ihnen gemessen, an 519 Begehungen von 31 deutschen Ostseestränden zwischen 2016 und 2021, und keinen Zusammenhang gefunden. Für tagesaktuelle Vorhersagen sind sie einfach der falsche Maßstab.
Garnaat geht deshalb den anderen Weg und eicht die Vorhersage an der Wirklichkeit. Jede Meldung, ob „sauber" oder „liegt viel", wird mit dem Wetter dieses Tages verknüpft. Damit wird die Formel für diesen Küstenabschnitt mit der Zeit genauer, und irgendwann steht hier eine Zahl statt eines Wortes.
Zur Einordnung dient dabei die offizielle Ostsee-Richtlinie: Unter 20 Fundstücken auf 100 Metern gilt ein Strand als sauber. An der deutschen Ostsee trifft das auf etwa vier von zehn Begehungen zu.
Woher die Daten kommen
Die Wetter- und Pegeldaten für die Berechnung kommen zweimal täglich von Open-Meteo und PEGELONLINE. Sie gelten jeweils für den nächsten von dreizehn Küstenpunkten und sind Tagesmittel, also nicht der punktgenaue Wert an deinem Strand um genau deine Uhrzeit.
Wie rechne ich das?
Im Baden-Thema rechne ich eine Sache aus, den Tang, und eine ausdrücklich nicht, die Blaualgen. Was wirklich am Strand liegt, weiß ohnehin nur, wer hinsieht. Genau dafür sind die Knöpfe im Popup da.
Tang am Spülsaum
Für den Tang nehme ich dieselbe Rechnung wie für den Müll: den Anspüldruck aus Wind, Wellen und Wasserstand der letzten vier Tage. Das Meer unterscheidet nicht, was es anspült. Ein auflandiger Wind legt Plastik und Seegras nebeneinander an dieselbe Linie, und wo die Karte im Müll-Thema „wahrscheinlich angespült" sagt, gilt das für Tang genauso. Die ausführliche Rechnung samt Beispiel steht im Müll-Thema.
Blaualgen sage ich nicht vorher
Blaualgen sind in der Ostsee keine Algen, sondern Cyanobakterien. Ich habe versucht, sie aus dem Wetter vorherzusagen, und es funktioniert nicht. Das steht hier, weil es die ehrlichere Auskunft ist als eine Zahl, die nach Wissen aussieht.
Die Idee war naheliegend: Blüten brauchen warmes Wasser und ruhige Tage, danach schiebt auflandiger Wind die Teppiche ans Ufer. Beides weiß ich. Am 22. August 2026 habe ich die Rechnung gegen die Meldungen dieses Tages gehalten. Betroffen waren die Lübecker Bucht, die Wismarbucht, die Kühlung und Warnemünde. Ausdrücklich frei waren Kiel, Flensburg, Rügen und Usedom.
Die freien Strände hatten wärmeres Wasser als die betroffenen, 20,2 bis 21,9 Grad gegenüber 19,3 bis 20,5, und teils deutlich mehr ruhige Tage. Nach meiner Rechnung hätte es also dort blühen müssen und nicht da, wo es blühte. Ich habe alle Schwellen durchprobiert, die infrage kamen. Keine einzige trennt die betroffenen Strände von den freien.
Der Grund ist, dass die Nährstoffe fehlen, und die hängen an Zuflüssen, Wasseraustausch und der Form der Bucht. Die flachen, geschlossenen Buchten im Westen sind anfällig, die offene Ostküste ist es nicht. Das ist eine Eigenschaft des Ortes, und kein Wettermodell der Welt kennt sie.
Was stattdessen gilt
Über das Wasser steht auf dieser Karte nur, was jemand gemeldet hat. Wenn an einem Strand nichts steht, war einfach noch niemand da, der etwas gesagt hat. Das ist keine Entwarnung.
Wer eine belastbare Auskunft braucht, bekommt sie bei den Gesundheitsämtern: In Mecklenburg-Vorpommern führt das LAGuS die Badewasserkarte, in Schleswig-Holstein steht der Badegewässeratlas des Landes. Dort wird gemessen, hier wird beobachtet.
Bei Verdacht gilt, was immer gilt: nicht hineingehen, Kinder und Hunde erst recht nicht, und kein Wasser schlucken.
Sandstrand und steinfreier Einstieg
Auf der Karte stehen zwei verschiedene Dinge. Eine gefüllte Raute ist eine steinfreie Stelle, die jemand vor Ort gemeldet hat. Eine offene Raute heißt nur, dass OpenStreetMap den Strand dort als Sand führt.
Der Unterschied zählt am Wasser. Sand oben am Strand und Steine im Flachwasser sind an der Ostsee der Normalfall. Die offene Raute sagt also, wo sich das Hinsehen lohnt, und nicht, wo man ohne Steine hineinkommt. Von den 405 Stränden führt OpenStreetMap 139 als Sand und 6 als steinig, bei den übrigen steht dort nichts.
Woher die Daten kommen
Der Sand kommt aus OpenStreetMap und steht wie die Karte selbst unter der ODbL. Wassertemperatur, Wind und Wellen kommen zweimal täglich von Open-Meteo, der Wasserstand von PEGELONLINE. Sie gelten jeweils für den nächsten von dreizehn Küstenpunkten und sind Tagesmittel, also nicht der punktgenaue Wert an deinem Strand um genau deine Uhrzeit. Das Flachwasser am Ufer wird an einem Sonnentag wärmer als die offene See.